Unsere Forderungen an Wirtschaft und Politik

HEKS ist überzeugt, dass durch eine bessere Nutzung des inländischen Potenzials dem Fachkräftemangel jetzt und in Zukunft entgegengewirkt werden kann. Dazu braucht es das Engagement der politischen und wirtschaftlichen Akteure. HEKS fordert:

Politisches Handeln

Aufbau einer nationalen Datenbank, die ausländische mit schweizerischen Berufs- und Studienabschlüssen vergleicht – zur Erleichterung und Vereinheitlichung der Anerkennungspraxis und als Interpretationshilfe für Unternehmen
In der Schweiz ist das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zuständig für die Anerkennung ausländischer Diplome. Für Berufe, die nicht in dessen Kompetenz fallen, verweist das SBFI die AntragstellerInnen an eine von rund einem Dutzend weiteren Anerkennungsstellen. Was bisher fehlt, ist ein Angebot für Unternehmen, das diese bei der Interpretation ausländischer Diplome und Fähigkeitsausweise unterstützt. In Deutschland sind die für die Anerkennung zuständigen Stellen und Verbände momentan dabei, sämtliche im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen mit deutschen Abschlüssen zu vergleichen. Ziel ist es, eine umfassende Datenbank mit verschiedenen Berufsqualifikationen und Berufsbildungssystemen aufzubauen. Eine solche Datenbank fordert HEKS auch für die Schweiz – als Hilfestellung für Unternehmen bei der Rekrutierung von gut qualifizierten Migrantinnen und Migranten. www.anerkennung-in-deutschland.de

Angebote für Unternehmen wie interkulturelle Vermittlung, Training und Konfliktmediation oder Mentoring-Programme
Der konstruktive Umgang mit kultureller Vielfalt und unterschiedlichen Werthaltungen wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Um das gegenseitige Verständnis im Arbeitsleben zu verbessern und die Integration von ausländischen Mitarbeitenden erfolgreich zu gestalten, müssen bereits bestehende Angebote im Bereich der interkulturellen Kommunikation und Vermittlung besser auf die spezifischen Bedürfnisse von Unternehmen zugeschnitten werden oder neue Angebote geschaffen und bekannt gemacht werden. Durch den Einsatz von interkulturellen VermittlerInnen, Mentoring-Programmen und in Trainings zu transkultureller Kompetenz kann Wissen zu unterschiedlichen Arbeitskulturen, Mentalitäten und Umgangsformen vermittelt, Konfliktpotentiale erkannt und ein gemeinschaftliches Verständnis erzielt werden.

Ordentliches Aufenthaltsrecht für vorläufig Aufgenommene zur Reduzierung des bürokratischen Aufwands
Die vorläufige Aufnahme ist ein Status zwischen einer vollziehbaren Wegweisung und einer Aufenthaltsbewilligung. Die Schweiz hat die vorläufige Aufnahme in der Annahme eingeführt, dass temporär Schutzbedürftige zurückkehren, sobald sich die Lage in ihrem Herkunftslang normalisiert hat. Es hat sich jedoch gezeigt, dass 90 Prozent der vorläufig Aufgenommenen definitiv in der Schweiz bleiben. Grund dafür sind lang anhaltende Konflikte in den Herkunftsstaaten oder eine angeschlagene psychische oder physische Gesundheit. Die Schutzbedürftigkeit dieser Personen bleibt damit langfristig erhalten. Ihr Status soll daher gestärkt und zu einem ordentlichen Aufenthaltsrecht aufgewertet werden, wie dies in den meisten westeuropäischen Staaten Praxis ist. Eine solche Aufwertung ermöglicht eine rechtliche Besserstellung der Betroffenen und weniger administirativen Aufwand für ArbeitgeberInnen, da keine Arbeitsbewilligungen eingeholt werden müssen. Gleichzeitig soll die Bezeichnung «vorläufig Aufgenommener» durch eine geeignete, die Arbeitsmarktintegration nicht behindernde Bezeichnung ersetzt werden.

Handelnde Unternehmen

Zugang zu Sprachkursen auf hohem Niveau ermöglichen
Es gibt schweizweit ein breites Angebot an Sprachkursen, auch solche, die sich auf die spezifischen Bedürfnisse von Unternehmen und deren fremdsprachige Mitarbeitende ausrichten. Unternehmen sollen ihre Mitarbeitenden ermutigen, Sprachkurse zu besuchen und den Zugang dazu erleichtern, zum Beispiel durch Arbeitszeitregelungen oder (Mit-)Finanzierung. Sprachkurse können intern oder extern in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, Verbänden oder Gemeinden durchgeführt werden. Das Angebot ist ausbaufähig, zumal sich solche Sprachkurse bisher auf städtische Gebiete konzentrieren. ArbeitgeberInnen haben überdies Möglichkeiten, ihre Mitarbeitenden ohne viel Aufwand beim Erlernen der Sprache zu unterstützen und das gegenseitige Verständnis zu erleichtern: zum Beispiel, indem Hochdeutsch offiziell als Betriebssprache festgelegt wird oder durch die Einrichtung eines internen Tandem-Systems.

Nutzung von Angeboten wie interkulturelle Vermittlung, Coaching und Mentoring
Umgang mit Diversität und interkulturelle Kompetenzen können gelernt werden. Nutzen Sie die vielfältigen erprobten Angebote im Sinne einer Integrationshilfe. Bieten Sie ihren Mitarbeitenden und Führungskräften Schulungen und Trainings an, in denen neben allgemeinem länderspezifischem Wissen auch Do’s und Don’ts wie auch kulturelle Besonderheiten vermittelt werden und neue Verhaltensweisen gelernt werden. Auch externe oder interne Mentoring-Programme und individuelle Coachings durch interkulturelle VermittlerInnen haben sich in der Praxis bewährt.

Mehrwöchige Praktika zur vertieften Eignungsprüfung für Stellensuchende
Zu den klassischen Bewerbungsgesprächen gibt es verschiedene Alternativen, um geeignete Mitarbeitende zu rekrutieren. Zum Beispiel praktische Eignungstests, spezifische praxisorientierte Hilfsmittel zur Erfassung und Beurteilung von Schlüsselkompetenzen (z. B. Multicheck, IESKO), Probetage oder Schnupperwochen. Im Gegensatz zum klassischen Bewerbungsgespräch geben solche alternativen Auswahlverfahren den BewerberInnen die Möglichkeit, ihre tatsächlichen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Für hochqualifizierte Personen empfiehlt sich etwa ein mehrwöchiges Praktikum, um die Kompetenzen und Fähigkeiten der potenziellen Mitarbeitenden einschätzen zu können. Um zudem subjektive Einschätzungen bei der Personalauswahl zu vermeiden, empfiehlt es sich, von standardisierten Rastern und Checklisten zur Eignungsfeststellung mit objektiven Kriterien Gebrauch zu machen.